Online-Zeitung - Ausgaben-Archiv: Heft 91(Texte)
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TSV Birkenau ist Deutscher Feldhandballmeister 1974

So lief das Endspiel ab...

Nach dem Ohren- und Augenschmaus, dargeboten seit 15 Uhr durch die stets mit Beifall bedachte Trachtenkapelle des Musikvereins Heiligkreuzsteinach und die zwei Jugendgruppen "Claudia und Andrea" bzw. "Heike und Martina" von der Kunstkraftsportabteilung des SV Nieder-Liebersbach, die mit Synchron-Parterre-Akrobatik begeisterten, betraten pünktlich um 15.55 Uhr die beiden Finalisten TSV Birkenau und SV Crumstadt, zusammen mit Schiedsrichter Willi Gummersbach (Viersen), den grünen Rasenteppich des West-Stadions. Die Kapitäne, hier Jürgen Drabant vom TSV Birkenau und dort Horst Müller vom SV Crumstadt, tauschten die Vereinsvimpel, der Unparteiische nahm die Platzwahl vor, Birkenau spielte an. Unverkennbar war die beiderseitige Nervosität, die allerdings die Odenwälder als erste abzuschütteln verstanden. Wolfgang Spatz, der TSV- Goalgetter, warf zunächst vorbei, ehe der gleiche Spieler in der zweiten Minute das 1:0 erzielte. Im Gegenzug markierte Klaus Görlich den Crumstadter 1:1 Ausgleich, ehe Spatz und Endlich das Ziel nicht fanden. Nach knapp fünf Minuten war Routinier Albert Korgitta zum 2:1 erfolgreich, Peller fing einen Gegenangriff ab, doch Spatz traf mit einem Freiwurf nicht. So dauerte es fast bis zur 11. Minute, bevor der Birkenauer Karl-Heinz Brehm seine Farben auf 3:1 wegbrachte. Schiedsrichter Gummersbach, mit der Vorteilsregel zuerst auf Kriegsfuß stehend, versagte den Riedleuten bereits zwei erzielte Tore, bis zur 18. Minute tat sich außer Torwartparaden, hier war TSV-Keeper Manfred Erhard zweifelsohne die Nummer 1, und wenig gezielten Würfen wenig. Zum oben genannten Zeitpunkt verkürzte SV-Verteidiger Karl Wenner auf 3:2, dem vier Minuten später Lutz Endlich den 3:3 Remisstand anfügte. In den verbleibenden sieben Minuten kam aber die große Zahl der Birkenauer, die durch Korgitta uns Spatz (2) auf 6:3 davonzogen. Crumstadt bäumte sich durch Spielführer Horst Müller, einem gefährlichen Linkshänder, auf, doch Wolfgang Spatz durch Strafwurf und Klaus Heckmann besorgten den 8:4 Pausenstand, der den TSV Birkenau beruhigt und voller Zuversicht in die 2. Halbzeit gehen ließ. Unter den gut viertausend Zuschauern stand der Sieger mit dem favorisierten TSV Birkenau nach Wiederanpfiff fest. Doch Außenseiter Crumstadt gab keineswegs kampflos Terrain, Ball und Erfolg preis. Birkenau wahrte zunächst zwar einen Vier- bzw. Drei-Tore-Vorsprung, so beim 8:5, 9:5, 9:6, 10:6, 10:7, 11:7, 11:8, 12:8 und 12:9, doch ab Mitte des zweiten Durchgangs "kamen" die Blaubedreßten aus Crumstadt. 12:10 und 13:11 hießen die nächsten Stationen, ab dann wurde es "heiß". Birkenau wähnte sich beim 14:12, 15:12 und 15:13 in der 54. Minute siegessicher. Als aber Spatz sechzig Sekunden später einen weiteren Strafwurf (die zweite Halbzeit stand sowieso im Zeichen einer etwas übertrieben scheinenden Vierzehnmeterflut) von Oldtimer Helmut Becker im Crumstadter Tor gehalten hielt, schwebte das Gespenst "Verlängerung" über dem Weinheimer Stadion. Klaus Zöll zeichnete sich in der 57. Minute für den 15:14 Anschlußtreffer vertantwortlich, alles war wieder offen. Doch Erhard, der in den Minuten vorher nicht immer gut ausgesehen hatte, da er ohne die in der ersten Halbzeit erlebte Unterstützung seiner Vorderleute blieb, machte in der 58. Minute alles wieder gut, als er einen plazierten Wurf von Endlich reaktionsschnell von der Linie "wegfischte" und damit letztendlich zum Vater des TSV-Erfolges mitavancierte. Korgitta setzte mit dem 16. Birkenauer Tor in der 59. Minute Schlußtreffer und Krönung der Birkenauer Anstrengungen. Mit einem 16:14 Erfolg über den nie aufsteckenden etwas eng agierenden SV Crumstadt, bei dem die "Asse" Loges, Wohner und Endlich nicht immer "stachen", schrieb sich die Mannschaft von Trainer Helmut Rück und Abteilungsleiter Hermann Sattler ins Meisterschaftsbuch des Deutschen Handballbundes ein: Der Feldtitelträger 1974 heißt, sicherlich nicht zu unrecht, TSV Birkenau, der mit diesem Erfolg seine vielen getreuen Anhänger wahrlich nicht enttäuscht hat.

Aufstellungen und Torschützen:

TSV Birkenau:

Manfred Erhard, Heinz Malzkeit, Rudi Dörr, Erich Peller, Hans Kellner (1), Jürgen Drabant, Günther Töpfer, Albert Korgitta (4), Wolfgang Spatz (8, darunter 4-14 m), Klaus Heckmann (1), Hans Eschwey, Helmut Osada (1) und K.-H. Brehm (1).

SV Crumstadt:

Helmut Becker, Wolfgang Kindinger, Karl Wenner (1), Peter Seubert, Klaus Zöll (2), Helmut Mai , Horst Müller (2), Lutz Endlich (3), Klaus Görlich (1), Horst Wohner (1), Erhard Heil, Fritz Schöllhaus und Ludwig Loges (4, darunter 3-14 m).